Interview: Jochen Wolf

Jochen Wolf

Jochen Wolf

Jochen Wolf ist Finanzchef und stellvertretender Geschäftsführer des Klinikums Friedrichshafen, das vom 1. November an bei Herzpatienten das Telemedizin-Portal Motiva von T-Systems einsetzt.

Herr Wolf, was macht für das Klinikum Friedrichshafen den Reiz der Vorreiterrolle aus, als erstes Krankenhaus bundesweit das Telemonitoring-System Motiva einzusetzen?
Wolf:
Auch für das Management eines Krankenhauses gilt: Die Zukunft ist digital. Der Reiz dieses Pilotprojekts liegt für uns vor allem darin, die Möglichkeiten des Einsatzes von Telemonitoring von Anfang an mit gestalten zu können. Wir sind die Ersten, die Erfahrungen mit dem System sammeln und unsere Erfahrungen sofort an die Software-Entwickler oder die Medizin-Gerätehersteller weitergeben. Das ist ein Lerneffekt für beide Seiten, und wir holen diesen Effekt in unser Haus.

Ist es auch ein Wettbewerbsfaktor im Krankenhausmarkt, wenn Ihr Klinikum Patienten die Option einer häuslichen Betreuung via Motiva anbieten kann?
Wolf:
Auf jeden Fall. Ziel des Projekts ist ja die sektorenübergreifende Vernetzung von stationärer und ambulanter Behandlung. Gerade die enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten wird davon profitieren. Der früher oft zähe Informationsaustausch – über Papier – wird digital viel flüssiger und effizienter ablaufen. Und weil wir allein schon damit eine bessere Versorgungsqualität für die Patienten anbieten, werden die sich auch gern in unserem Netzwerk behandeln lassen und buchstäblich gut „verarztet“ fühlen. Ein Beispiel nur: Gerade herzinsuffiziente Patienten, die man ohne Telemonitoring gar nicht engmaschig betreuen kann, können „entgleisen“ – etwa wenn sie eine Medikation nicht zeitnah genug adaptieren. Solche Risiken können wir in Zukunft minimieren.

Ihr Interesse müsste es sein, hohe Belegungszahlen zu verbuchen. Welche Vorteile erschließt die Überwachung chronisch Kranker mit Hilfe von IT- und Telekommunikationstechnik Ihnen als Klinik-Manager?
Wolf:
Der zunächst volkswirtschaftliche Effekt, die Re-Hospitalisierungsrate zu reduzieren, ermöglicht uns, im Rahmen der integrierten Versorgung Finanzierungsquellen durch die Kostenträger oder Krankenkassen zu generieren. Das ist unser Benefit. Wir bekommen unsere Dienstleistung durch den Versorgungsvertrag finanziert und gehen davon aus, dass wir durch das Angebot weitere, neue Patienten an unserem Klinikum behandeln können. Diese Perspektive ergänzt sich auch mit der zunehmenden Mündigkeit des Patienten. Allein mit Blick auf die jährlichen Qualitätsberichte, die jede Klinik abgeben muss, oder darauf, dass immer mehr Patienten vor einer Behandlung in unser Haus kommen, um sich zu informieren, verschafft uns Telemonitoring – da wiederhole ich mich gern - einen strategischen Wettbewerbsvorteil im stationären Gesundheitsmarkt.

Stichwort „Kostenreduktion“ – ist für Sie als Finanzchef die Ausweitung mobiler Visiten auf andere Krankheitsbilder wirtschaftlich interessant?
Wolf:
Natürlich sind die ersten Schritte zunächst immer mit Kosten verbunden. Denken Sie an die Geräte, die Ausbildung der Mitarbeiter. Unsere Pilotphase mit Herzinsuffizienz-Patienten wird im Rahmen der T-City Projekte von der Deutschen Telekom unterstützt. Eine nachhaltige Finanzierung wird über integrierte Versorgungsverträge gewährleistet werden können – auch bei Ausweitung auf andere Krankheitsbilder.

Sehen Sie weitere klinische Prozesse, die sich durch den Einsatz von ICT effizienter gestalten lassen?
Wolf:
Selbstverständlich, schon aus unserer eigenen, aktuellen Erfahrung. Stichworte wie „digitales Diktieren“, „Spracherkennung“, die „elektronische Patientenakte“ oder unser digitales Röntgenbild-Archiv „PACS“ markieren heute schon einen Weg, der logistische Prozesse optimiert, Ressourcen einspart und uns bei hoher Verfügbarkeit qualitative Vorteile verschafft. Unter dem Strich reduziert ICT unseren administrativen Aufwand enorm. Wir sparen Material und Zeit, schonen die Umwelt und sparen – ganz banal – auch noch Platz, etwa für Archivierung und Dokumentation. Ein Ende der betriebswirtschaftlich sinnvollen Einsatzmöglichkeiten von ICT in den Kernprozessen des Klinikbetriebs ist noch gar nicht abzusehen.

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